ANTOINE LEIRIS – MEINEN HASS BEKOMMT IHR NICHT

»Wir sind zwei, mein Sohn und ich, aber wir sind stärker 
als alle Armeen der Welt.«
meinenhassbekommtihrnicht
Als ich am 13. November des vergangenen Jahres morgens aufwachte, war es für mich ein ganz normaler Tag. Es war halt „Freitag der Dreizehnte“. Ich saß mit einer Freundin im Stadtpark, wir schauten ihrem Hund beim Toben zu, beobachteten die Enten und unterhielten uns. Über alltägliches, die derzeitige politische Lage, über Krieg. Dass wir am selben Tag noch mit „Krieg“ konfrontiert werden würden, wusste zu diesem Zeitpunkt keiner von uns beiden. – keiner auf dieser riesengroßen, verkorksten Welt. // Gemeinsam saßen wir abends in der Gruppe zusammen, tranken und freuten uns auf die bevorstehende Nacht, in der wir tanzen gehen wollten. Ich loggte mich bei Facebook ein. Eine Grundschulfreundin schrieb in ihrem Status auf französisch, es ginge ihr gut, sie sei in Sicherheit. In Sicherheit? Ich scrollte weiter, entdeckte die Schlagzeilen, überflog sie. Mein Atem stockte einen Moment und mein Blick fiel in die Runde. „Es ist etwas furchtbares passiert“ – ich blickte in fragende Gesichter. Der Fernseher wurde eingeschalten und plötzlich hatten wir alle so gar keine Lust mehr zu feiern, als wäre es ein normaler Freitagabend.
~
Ich sitze auf der Veranda unseres Bungalows. Ich schlage das Buch auf und schon nach den ersten Worten fühle ich mich in Antoine Leiris‘ Leben vom 13.11.2015 versetzt. Ich vergesse alles um mich herum. Es gibt nur seine geschriebenen Worte und mich. Dann, es müsste Seite fünf oder sechs gewesen sein, lege ich das Buch weg und mir laufen heiße Tränen über das Gesicht. Ich kann nicht weiterlesen… Ich weine, weil ich seine Worte, die voller Angst, Trauer und Schmerz erfüllt sind, durchs bloße lesen spüren kann. Ich lese weiter, aber ich muss immer wieder Pausen einlegen, immer wieder tief Luft holen.
»Freitag Abend habt ihr das Leben eines außerordentlichen Wesens geraubt, das der Liebe meines Lebens, der Mutter meines Sohnes, aber 
meinen Hass bekommt ihr nicht

1 Kommentar

  1. A.
    9. Februar 2017 / 8:02

    mir gings bei dem Buch ähnlich…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.