column: laut gedacht – Frühjahrsputz

Ich sitze in der Arbeit und bin ganz kribbelig. Es juckt mir richtig in den Fingern. Der Feierabend nähert sich immer mehr und ich bin voller Tatendrang. Ich muss irgendwas tun. Schon am Tag zuvor hatte mich diese innere Unruhe geplagt. Ein Gedanke nach dem anderen schoss mir durch den Kopf und ich war ein paar Mal echt den Tränen nahe, weil mich irgendein Gedanke aus der Vergangenheit einholte. Genau DAS ist für mich immer das Zeichen, dass sich etwas ändern und/oder ich in meinem Leben etwas aufräumen muss. Ich sitze vor meinem Bildschirm und zähle die Minuten bis zum Feierabend. Ich überlege was zu tun ist. Jawoll, Schlafzimmer streichen… Den Gedanken verwerfe ich aber gleich wieder, denn das wollte ich gemeinsam mit meiner Mama angehen. Okay, es läuft auf gründlichen Frühjahrsputz hinaus.

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Als ich die Türe zu meiner Wohnung öffne, habe ich für alles eine Erklärung. Es sieht aus, als hätte ich gerade die letzte Schlacht gegen England verloren. Ein Schlachtfeld, wohin das Auge reicht. Okay, back to reality: überall liegen Klamotten, Tüten und sonst noch was rum und es sieht schlichtweg nach allem aus, nur nicht nach meiner Wohnung. Da stehe ich nun, in Mitten meines Chaos und weiß nicht wo ich anfangen soll. Letztlich beginnt so etwas eh immer damit, Dinge von A nach B und von B zurück nach A zu schieben. Ich beginne im Schlafzimmer denn das ist aktuell der größte Schandfleck überhaupt. Ich bin unglaublich unzufrieden, während ich da so meine vier Schlafzimmerwände beachte. Es ist meiner Meinung nach alles wild zusammengestöpselt und einfach nicht die Wohlfühloase, die ich mir eigentlich wünsche. Da beginnt das „große Möbelrücken.“ Viel kann man in diesem kleinen Zimmerchen auch nicht verändern. Das Bett wird weiter zum Fenster geschoben, die Schränke werden verrückt und es wird mal gründlich geputzt. Weiter geht’s…

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Als nächstes sind Küche und Bad dran, zu guter Letzt muss das Wohnzimmer dran glauben. Alles was mir in die Quere kommt fliegt – bedingungslos – in irgendeine Ecke, wo ich es erstmal ein paar Minuten nicht sehen muss. Es kotzt mich alles an. Da sind sie, die gefürchteten fünf Minuten. Fünf Minuten zwischen wütendem Rumgekicke der Sachen, einer Heulattacke, nicht-jugendfreien-Fluchen um schließlich voller Tatendrang die Verwüstung, die ich kurz vorher noch selbst verursache habe, wieder aufzuräumen. Aber es fliegt trotzdem erneut alles – nämlich in den Müll. Ich brauche frischen Wind. Ich brauche Platz. (Vor allem brauche ich eindeutig weniger Staubfänger!) Anschließend schleppe ich drei randvolle Mülltüten mit Papier und sonstigem Zeug in den Hinterhof. Was meine Nachbarn wohl denken – eigentlich ist es mir ja egal, denn meine Nachbarn sind eh alle verrückt.

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Nach fünf Stunden wirklich, wirklich harter Arbeit stehe ich nun in meinem Schlafzimmer, halte ein Glas Weißwein in meiner Hand, betrachte mich im Spiegel und proste mir selbst zu. Ich hab was geschafft und verdammt, es fühlt sich richtig klasse an. Es hat richtig Spaß gemacht und es gefällt mir, wie viel Platz ich nun habe. Alles riecht so sauber. Kennt ihr das, wenn es für euch wirklich sauber riecht? Das klingt so verrückt, aber ja, manchmal hat man diesen Geruch in der Nase. Der Frühlingsputz in dieser Hinsicht wäre geschafft. Aber irgendwas fehlt noch… Was es ist? Der Sache gehe ich nun auf den Grund! Der Frühjahrsputz wäre zumindest schon mal erledigt.

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„Leni… oh Leni. Vielleicht braucht dein ganzes Leben einen Frühjahrsputz? Oder vielleicht musst du den oder die einen oder anderen noch aufräumen? Vielleicht solltest du auch einfach nur noch eine Runde joggen gehen und den Kopf freikriegen…“ Oh mein Kopf. Oh mein Gewissen. Aber ja, vielleicht muss ich auch hier noch aufräumen, denn ich habe mir doch für 2017 vorgenommen „alles anders zu machen“. Aber ach…. Vorsätze sind doch da, um über Bord geworfen zu werden oder in meinem Fall: Vorsätze sind doch da um… ups, Zewa – mit einem Wisch, ist alles weg. Auch die guten Vorsätze…

3 Kommentare

  1. 5. Februar 2017 / 15:02

    Du kleine Schreibermaus <3

  2. A.
    9. Februar 2017 / 8:00

    Mal wieder so gut geschrieben. Ich mag deinen Stil!

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