column: laut gedacht – 1096 Tage später…

In meiner letzten „laut gedacht“-Kolumne erzählte ich euch, wie sich das Singleleben für mich anfühlte. Welche zwei Phasen ich durchlebte, die Schöne und die, die mich manchmal in einem Meer von Tränen zerfließen ließ, weil ich mich wie „Auf Entzug“ fühlte. Heute, ein paar Wochen später, erzähle ich aus einer anderen Perspektive.

Es waren 1096 Tage des Singledaseins. 1096 Tage, in denen ich meine zwei Phasen abwechselnd durchlebte und in denen ich mich an diesen Alltag gewöhnte. Plötzlich sind da aber wieder ungelesene Nachrichten auf dem Lockscreen meines Smartphones, wenn ich morgens in meinem Bett aufwache. Noch besser: da ist wieder jemand, ein warmer Körper, ein verschlafener Blick, wenn ich morgens in seinem Bett aufwache.

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Es war kein unbehaglicher Kuppelversuch verzweifelter Freunde, keine Partnerbörse für Singles mit Niveau. Er stand einfach vor mir, hat mich angegrinst und es hat Klick gemacht. Dieses Gefühl hat mich getroffen wie ein Blitz und trotzdem habe ich ein Jahr gebraucht, um all das zu realisieren. Wenn er mich heute berührt, steht mein Körper unter Strom und manchmal, manchmal liege ich neben ihm,  sehe ihn an und kann das alles kaum fassen. Ich traue mich noch nicht mal zu blinzeln, denn ich könnte ja einen Moment unaufmerksam sein und etwas verpassen. Durch ihn hat sich mein Alltag und meine komplette Gefühlswelt verändert.

Natürlich trage ich eine rosarote Brille, aber tun wir das nicht alle, wenn wir frisch verliebt sind? Dass mich der Alltag und vor allem die Realtität immer wieder einholen gehört jedoch auch dazu. Routinierte Beziehungsmenschen sehen gegenseitige Rücksichtnahme, Akzeptanz und Kompromissbereitschaft als selbstverständlich und wichtigen Baustein ihrer Beziehung. Was aber ist mit den Menschen, die längere Zeit alleine waren? Muss ich mich als Ex-Single an all das erst wieder gewöhnen? Kann man solche Dinge sogar verlernen? Ja, und ich stelle dabei fest, dass ich mich in den letzten Jahren verändert habe.

Was anders ist, im Vergleich zu damals?

Mit zarten 17 Jahren war ich zum letzten Mal frisch verliebt. Nun bin ich sieben Jahre älter, um einige Erfahrungen reicher und musste schon ein paar mal öfter nach einem Sturz mein Krönchen richten. Im Gegensatz zu damals, stehe ich heute auf eigenen Beinen, führe mein eigenes Leben, habe einen Job und einen Alltag den ich zu meistern habe. Das hat mich erwachsen gemacht und mein Denken verändert. Meine Prioritäten und Ansprüche haben sich mit mir verändert. Ich lebe nicht mehr nach dem Motto »Naja, mal sehen, wohin das läuft.« Ich weiß, was ich will und ich weiß, was ich nicht will und danach handle ich. Ich verbiege mich nicht mehr nur um dem Gegenüber zu gefallen. Aus dem Alter bin ich raus. Und ich hab gelernt auch mal alleine zu sein. Das kann man in einer Beziehung nämlich durchaus und es ist nichts schlechtes.

Denn nach dem Alleine sein kommt auch wieder die Zeit zu zweit. 1096 Tage hat mir ein Partner an meiner Seite gefehlt. Einer, mit dem ich morgens aufstehe und mit dem ich abends wieder zu Bett gehe. Mit dem ich meine Sonntage verbringen kann ohne dass ich morgens auf den Wecker blicke und einen „beschissenen“ Tag erwarte. Einen Partner, der mich auch an meinen trotzigen und launischen Tage nimmt und liebt, auch wenn er sich über mich ärgert. Liebe ist nicht nur ein Gefühl, es ist so viel mehr. Liebe ist, einen Menschen zu akzeptieren, mit all seinen Ecken, Kanten und Macken und ihn nicht ändern zu wollen. Liebe ist, alles, was man gemeinsam erlebt, als Abenteuer zu sehen, weil du, auch wenn du planst, nie weißt, wie es kommt.

Wenn ich mein 17-jähriges und mein 24-jähriges Ich heute vergleiche, stelle ich fest, dass mein heutiges Ich mein damaliges Ich einfach nur nervig gefunden hätte. Da war viel zu viel Drama, viel zu viele Komplikationen und Emotionen. Zu viel subjektives, und weniger objektives Denken. Heute soll für mich alles einfacher, unkomplizierter und leichter sein.

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»Liebes 17-jähriges Ich,

wenn du wüsstest, wo ich heute stehe, würdest du dich nicht immer so aufführen. Du würdest deine Leute um dich herum achtsamer behandeln und nicht immer so zicken. Du wüsstest, dass nicht alles immer mit Drama verbunden sein muss. Du würdest weniger schreien und weinen und mehr lachen. Wenn du wüsstest, dass nach einem Beziehungsende ein neuer Mensch kommt, der dich glücklich macht – wahrscheinlich noch glücklicher als du es gerade für Möglich hältst – würdest du nicht den Weltuntergang erwarten. Und selbst wenn doch, ich sage dir heute, 7 Jahre später, dass sich die Erde immer noch dreht. Dass sich DEINE Welt heute auch mal 360 Grad in die andere Richtung dreht, manchmal Kopf steht und du trotzdem weiter machst. Dass Abschied nehmen weh tut, aber ein Indianer doch keinen Schmerz kennt.

Sei nicht immer so negativ. In liebe, dein 24-jähriges Ich.  «

 

 

 

 

 

2 Kommentare

  1. Julia
    29. August 2017 / 10:27

    Super schöner Text *.*
    Schön das es dir so gut geht!

    • Leni
      4. September 2017 / 10:07

      vielen Dank 🙂

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